Adam Wieland

Veröffentlicht am 20. November 2019
KategorieArchitektur, Design
StandortKarlsruhe

Designklassiker E2
Egon Eiermann, Adam Wieland und der Tisch

Was wäre Adam ohne Egon, und was Egon ohne Adam? 1964 treffen sich die beiden zum ersten Mal. Wie aus dieser Begegnung ein Produkt entsteht, das bis heute begeistert: Das ist eine Geschichte für sich.

„Wie würden Sie die Kuppel der Berliner Gedächtniskirche im Modell bauen?“ Mit dieser Frage sucht Professor Rolf Lederbogen 1963 einen Leiter für die Metallwerkstatt der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Adam Wielands Entwurf setzt sich gegen 50 Mitbewerber durch – und kurz danach richtet er die neue Werkstatt mit zwölf Arbeitsplätzen ein. Die Metallarbeit wird zum Grundlagenstudium für rund 190 Architekturstudent/-innen im Jahr. Sie schätzen den Handwerker für seine patenten Ideen und geben ihm den Spitznamen „Wieland, der Schmied“. Schließlich war auch der germanische Sagenheld ein Meister seines Fachs.

Eiermann und das X

1947 folgt Egon Eiermann dem Ruf auf den Lehrstuhl für Architektur an die Technische Hochschule Karlsruhe (heute KIT). Da für ihn jedes Gebäude ein Gesamtkunstwerk ist, entwirft er die Möblierung gleich mit. So entsteht 1944 ein erstes Stahlrohrgestell für sein Büro in Beelitz-Heilstätten, die „Baracke“. 1953 folgt ein stabiler, funktionaler Arbeitstisch für seine Räume an der Karlsruher Hochschule. Auf das Wesentliche reduziert, zeigt er das typische, raumdiagonale Kreuz. Es steht schräg und alle Elemente sind fest verschweißt. Eine einfache, lose aufgelegte Holzplatte dient als Zeichenunterlage. Der „Eiermann“ ist geboren – und geht als Arbeits- und Zeichentisch in Kleinserie.

Eine Ente, eine Lösung

Schnell wird der Eiermann-Tisch an der TH Karlsruhe unverzichtbar: Das rohe Stahlgestell wird von Student/-innen bemalt, besprüht – und gern auch mal geklaut. Lange Tischreihen präsentieren die Abschlussarbeiten auf den Fluren. Im Rahmen der studentischen Arbeit begegnen sich Adam Wieland und Egon Eiermann 1964 zum ersten Mal. Eiermann schätzt den anspruchsvollen Fachmann und seinen Einsatz für die Studierenden. Wieland unterstützt den „Guru“ bei Metallkonstruktionen und Prototypen. Als Klaus Brunner – ein Assistent Eiermanns – 1965 nach Freiburg umziehen will, hat er eine besondere Bitte: Er wünscht sich eine transportable Version des Eiermann-Gestells, das in seine Ente passt. Wieland zerlegt das Gestell in vier Teile und macht sie verschraubbar. Für mehr Stabilität und Funktionalität stellt er die Kreuzstreben senkrecht. Ein optimierter Rohrquerschnitt reduziert das Gewicht. Der „Eiermann“ wird alltagstauglich – und Egon klopft Adam auf die Schulter.

Ein Tisch wird Kult

Noch im gleichen Jahr geht Wieland mit dem verschraubbaren Modell in Serie. Es ist schwarz lackiert und kostet 28 D-Mark. Da die Studierenden die frisch gesägten Gestelle in der Metallwerkstatt sehen, verbreitet sich der Kult um den „zerlegbaren Eiermann“ wie ein Lauffeuer. Während das Interesse für das fest verschweißte Gestell nach und nach sinkt, schweißt Wieland bald zehn Stück pro Woche – und es werden schnell mehr. Die Hochschule stattet nun auch ihre Sitzungszimmer mit dem Kult-Tisch aus. Hinzu kommen Zubehör und Varianten: Höhenversteller ersetzen die von den Studierenden verwendeten Ziegelsteine. Das Stehpult, ein Kindertisch sowie ein Modell mit nach hinten versetzten Kreuzstreben werden ergänzt. Der Tisch wird noch flexibler – und noch bekannter.

Raum zum Wachsen

1993 geht Professor Rolf Lederbogen in Rente. Auch Adam Wieland verlässt die TH Karlsruhe und wird mit der „Adam Wieland Metallwerkstatt“ sein eigener Chef. Den Zusatz „Metallwerkstatt“ wählt er in Erinnerung an seine Zeit als Werkstattleiter. Sein Kundenstamm geht längst über die 5.000 Studierenden, die er in 60 Semestern betreute, hinaus. Viele von ihnen gründen ihre eigenen Büros und statten ihre ersten Arbeitsräume mit dem Tischgestell aus. Unter Architekten, Professoren, Stadtplanern und Designern verbreitet sich der Tisch von Karlsruhe nach ganz Europa, in die USA, den Fernen Osten und Australien. Wieland beliefert nun große Namen wie David Chipperfield Architects, Henn oder Herzog & de Meuron. Auch Hochschulen wie die RWTH Aachen, die ETH Zürich oder die Bauhaus Universität Weimar zählen zu seinen Kunden. Zur Jahrtausendwende blickt Adam Wieland auf eine Erfolgsgeschichte von knapp 40 Jahren zurück. Ein Lebenswerk – bereit für die nächste Generation.

2008 übernimmt mit Peter Wieland die nächste Generation. Und das Kultgestell – das von vielen Kunden noch „Eiermann-Tisch“ oder „Eiermann 2“ genannt wurde – bekommt endlich einen Namen: E2 – eine Hommage an das Ursprungsgestell von 1953 – und die selbstständige Fortführung einer Tradition, die 1965 mit Adam Wieland begann.

Objektmöblierung mit dem E2

Architektur ist das prägende Element der Firmengeschichte. Sie spiegelt sich in der Klarheit des Designklassikers ebenso wider wie in der Leidenschaft für die Planungsprojekte der Kunden. Durch die guten Beziehungen zur Architekturszene entwickelt sich nach und nach auch der Objektbereich. In Zusammenarbeit mit Planerinnen und Planern mö­bliert Adam Wieland seit über 50 Jahren Räume für Institutionen, Universitäten, Schulen, Büros und private Firmen. Mit vielen Kunden aus dem Hochschul- und Architekturbereich bestehen langjährige Kundenbeziehungen und sind über die Jahre mitgewachsen.

Dank dem zeitlosen Design und seiner hohen Qualität eignet sich das E2-Tischgestell besonders für den Office- und Objektbereich. Der Designklassiker von Adam Wieland bietet mit seiner Variabilität funktionale Lösungen für alle Einrichtungssegmente. Eine breite Modellpalette mit sieben verschiedenen Oberflächen sowie das ausgewähltes Zubehörprogramm ermöglicht die passgenaue und kostenoptimale Möblierung jeder Entwurfsplanung. Gemeinsam werden Lösungen entwickelt, die auf die räumliche Situation und das Benutzerprofil genau abgestimmt sind.

Geht es um Sonderanfertigungen, ist die Metallwerkstatt mit über
50 Jahren Fachkompetenz im Objektbereich der richtige Partner für
besondere konstruktive Lösungen und Ausführungen. Gewünschte Modifikationen werden in enger Abstimmung produktionsreif ausgearbeitet und schnell in die Herstellungsprozesse integriert. Bei
allen Modifikationen bleiben die konstruktive Klarheit und das zeitlose Design unberührt. E2-Tischgestelle werden von Hand in höchster Qualität geschweißt. Alle Produkte sind Unikate – ein Leben lang.

Peter Wieland nennt den E2 gerne einen zeitlosen Begleiter. Weil er seit über 50 Jahren durch seine Form und Funktion überzeugt. Weil er
ästhetisch leise ist. Jenseits von kurzfristigen Designtrends. Das gilt
besonders für die Möblierung von Büros und öffentlichen Räumen. Dass Ihnen der E2 heute in der Architektur-, Kreativ- und Wohnwelt überall begegnet, liegt an den vielen Menschen, die diese Haltung teilen.