archis Architekten + Ingenieure

Veröffentlicht am 8. Dezember 2019
StandortKarlsruhe

Urbane Seele mitten im Schwarzwald
Hotelneubau verbindet ländliche Tradition und urbanes Flair zu einem einzigartigen Ort

Urlaub im Schwarzwald zwischen sattgrünen Wiesen und dunklen Tannen – ideal für Urlauber*innen älteren Semesters. Könnte man meinen. Der junge Hotelier und stolze Schwarzwälder Steffen Schillinger will beweisen, dass eine gesunde Mischung aus ländlicher Tradition und urbanem Flair junge Leute und Junggebliebene anzieht. „Urban soul meets black forest“ lautet das Konzept des Smart Luxury Hotels Fritz Lauterbad. Gemeinsam mit erfahrenen Baupartnern wie Bastian Wieland von archis Architekten + Ingenieure schuf Schillinger einen Ort, der seine enge Verbundenheit zur Heimat als auch die Anziehungskraft städtischer Vielfalt vermittelt. Wie aus dem Hotelkonzept eine überzeugende Architektursprache entstand, erzählen der Architekt Bastian Wieland und der Hotelier Steffen Schillinger im Interview.

Herr Schillinger, Sie nennen Ihr Hotelkonzept „Urban Soul meets Black Forest“ – was hat Sie dazu inspiriert?
Ich halte mich gerne in Großstädten auf. Mir gefällt das pulsierende Leben auf den Straßen, in den Bars und Clubs und die Mentalität der Menschen dort. Ich liebe aber auch die Ruhe meines Schwarzwalds, die Idylle der Natur, die gute Luft und die Tradition. Mit dieser Philosophie möchte ich beides vereinen und eine Atmosphäre schaffen, die an ein zweites Zuhause erinnert. Gemütlich und stylisch, aber nicht steif.

Herr Wieland, welche Anforderungen stellt das Hotelkonzept an die Architektur?
Das Hotelkonzept verbindet ja das Beste aus Tradition und Urbanität. Wesentlich war es, das über die Architektur zu vermitteln. Der Neubau steht für das Städtische und Moderne. Er ergänzt den Altbau, der die Tradition und das Ländliche spiegelt. Die Lobby verbindet als „Brücke“ sinnbildlich die beiden Pole Stadt und Land. Immerhin 47 Doppelzimmer sollte der Neubau aufnehmen. Dazu eine großzügige SPA-Ebene mit Saunen, einen Freibereich mit Pool und eine Tiefgarage mit 40 Stellplätzen. Trotz der wirtschaftlichen Ausrichtung durfte der Hotelneubau aber keiner Bettenburg gleichen. Die Zimmer sollten größer als üblich und wie ein Wohnzimmer ausgestattet sein. Die Gäste sollten sich darin auch tagsüber wohlfühlen und die umgebende Landschaft unmittelbar genießen können. 

Herr Schillinger, hatten Sie beim ersten Gespräch mit Bastian Wieland bereits eine Vorstellung davon, wie Sie bauen möchten?
Dass wir mit viel Glas und Weite arbeiten wollten, war aufgrund der Lage und dem Blick klar. Ich hatte auch Ideen betreffs Farben, Materialien und Abläufen im Gebäude. Von der Kubatur hatten wir noch keine Vorstellung. Als uns Bastian Wieland in der Entwurfsphase ein Rendering vorlegte, auf dem die Gebäudeform des Neubaus mit seiner Fassade aus abgeflammtem Holz abgebildet war, waren wir sofort Feuer und Flamme – im wahrsten Sinne des Wortes.

Herr Wieland, wie haben Sie die Architektur für das Fritz Lauterbad entwickelt? Was hat Sie inspiriert?
Inspiriert hat uns der Wunsch des Bauherrn, die Tradition des Ortes zu würdigen und sie weiterzuentwickeln. Um den denkmalgeschützten Bestandsbau mit der Aussichtsterrasse in seiner Wirkung zu stärken, haben wir die Anbauten abgetragen und ihn damit freigestellt. Der Neubau sollte so gestaltet sein, dass er in klarem Kontrast zum Altbau steht und sich dabei weder in den Vordergrund drängt, noch hinten ansteht. Um das Urbane zu vermitteln haben wir klare Linien und Formen sowie asymmetrische Strukturen gewählt. Mit ihrer versetzten Anordnung nehmen sie den Verlauf des nahen Waldsaumes auf. Außerdem haben wir uns von regional typischen Elementen inspirieren lassen. Zum Beispiel bei der Fassade aus geflammtem Fichtenholz waren es die alten Schwarzwaldhöfe mit ihren dunklen Holzfassaden, die wir modern interpretiert auf die klaren Formen übertragen haben.

Und welche Rolle spielt die Verbindung von Alt und Neu?
Die raumhoch verglaste Lobby ist das Herzstück des neuen Gebäudeensembles, das als stimmiges Ganzes wie schon immer dagewesen wirkt. Die Lobby erschließt den Alt- und den Neubau barrierefrei. Über den neuen Zugang an der schmalen Seite betritt man die Lobby. Der Weg über die Rampe entlang der Glasfassade inszeniert den Blick in den Wald und ins Tal.  

Und wie nutzen Sie die Lobby, Herr Schillinger?
Die Lobby funktioniert bei Tag und Nacht. Das moderne Rezeptions- und Barkonzept ermöglicht es uns, hier morgens ein Frühstück zu servieren, tagsüber einen attraktiven Aufenthaltsbereich zu bieten und sogar spätankommende Gäste persönlich zu empfangen. Unsere Gäste können es sich auf den unterschiedlichsten Sitzgelegenheiten gemütlich machen, den Weitblick in die Hohenzollernalb und direkten Bezug zum denkmalgeschützten Haupthaus mit seiner roten Sandsteinwand genießen. Vom Sofa über drehbare Ohrensessel und Clubsessel bis hin zu Poufs und Kissen auf den Sitzstufen ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Stoffe, Materialien und Oberflächen erinnern an einen Herbst-Spaziergang durch den Schwarzwald.

Herr Wieland, welchen Wert schafft die Erweiterung des Bestandes durch den modernen Neubau?
Das historische ehemalige Hotel Zollernblick bleibt als Anziehungspunkt erhalten und wird durch den Neubau und die gläserne Lobby noch aufgewertet. Die regionale Kultur des Erholungsgebiets wird gefördert und auch für junge und junggebliebene Gäste attraktiv gestaltet. Die umgebende Natur ist in allen Bereichen des Gebäudeensembles wahrnehmbar. Man nimmt wahr, wie wertvoll und erhaltenswert sie ist.

Herr Schillinger, eine letzte Frage: Wie kam es eigentlich zum Namen „Fritz“?
Mein Großvater heißt Friedrich und mein zweiter Vorname ist ebenso Friedrich. Fritz ist international geläufig, dabei aber zugleich auch schwäbisch. Es ist ein alter Name, der heute wieder modern ist. Ich wollte eine Marke kreieren und Fritz Lauterbad passt auch klangmäßig zu unseren anderen Betrieben, dem Hotel Lauterbad und der Berghütte Lauterbad.

Bauen für den Ort

Den Schwarzwald mit seinen täglichen und jahreszeitlich wechselnden Eindrücken erlebbar zu machen, war eine wichtige Anforderung an die Architektur des Hotel Fritz Lauterbad. Der beim typisch feuchten Wetter aufsteigende Nebel verbreitet beim Blick aus dem gemütlichen Inneren eine faszinierende Mystik und Stimmung: Über die verglaste Lobby, in den Gästezimmern über die raumhohen Panoramafenster, im SPA mit dem höhengestaffelten Relaxbereich und in sogar in der Panoramasauna. Beim Schwimmen im Infinity-Pool entsteht der Eindruck, das Wasser gehe direkt in die Landschaft und den Himmel über. 

 

Gegenüber der Natur nimmt sich die dunkle Holzfassade des Neubaus zurück und der hohe Glasanteil reflektiert die komplette Umgebung. Architektur und Natur scheinen optisch miteinander zu verschmelzen. Dabei greift die schwarz-glänzende Fassade aus Fichtenholz ein klassisches Schwarzwaldmotiv auf: Schon die ersten Schwarzwaldhöfe im 16. Jahrhundert wurden aus Tannenholz gebaut, das durch die Witterung nachdunkelte. Die Oberfläche der neuen Holzfassade wurde kontrolliert abgeflammt, gereinigt und geölt. Sie erhielt dadurch nicht nur ihr faszinierendes Aussehen, sondern ist auch vor Witterungseinflüssen geschützt. In dieser Höhenlage mit den beiden extrem unterschiedlichen, zum Wald und zum Tal ausgerichteten Hausseiten war der nachhaltige Schutz ein wesentlicher Aspekt. Eine Putzfassade hätte diese Anforderungen nicht erfüllen können. 

Grundsätzlich sind alle beim Bau des Fritz Lauterbads eingesetzten Baustoffe, Materialien, Oberflächen und die Gestaltung auf Zeitlosigkeit, Langlebigkeit und Effizienz ausgelegt. Effizienz ist auch beim Umgang mit Energie wichtig: Das eigene Blockheizkraftwerk ist kombiniert mit Luft-Wärmepumpen und Wärmetauschern. So wird das gesamte Gebäudeensemble mit Wärme versorgt. Photovoltaik-Anlagen produzieren Strom, der auch für die Ladestationen der E-Bikes genutzt wird. Die Kraft-Wärme-Kopplung stellt über eine flexible Ein- und Auspeisung von Wärme und Strom eine hohe Netzstabilität her. Beleuchtet sind die Zimmer und übrigen Bereiche konsequent mit LED-Leuchten. Die Hauptfunktionszonen Lobby, Tagung und SPA werden über BUS-Technik gesteuert.

Ein Zimmer für Tag und Nacht 

Mit ihrem bisherigen Hotelangebot ist die Region für reines Übernachten, Wellness sowie Aktivitäten der Gäste vor allem im Freien ausgelegt. Allerdings ist das Wetter oft unbeständig und die Zimmer meist nicht für den Aufenthalt über den Tag hinweg gestaltet – sowohl was die Größe betrifft als auch die Ausstattung. Im Fritz Lauterbad sind die Zimmer bewusst für den Aufenthalt über den ganzen Tag ausgelegt. Sie sind zwischen 30 und 40 m² groß – die Suiten je 60 m² – und ausgestattet wie ein Wohnraum mit einer Schrank-Regalwand, einem Schreibtisch, einem komfortablen Lounge-Sofa und Sesseln. Vom Bett aus genießen die Gäste den Blick durch „das Fenster zum Schwarzwald“. Entweder direkt in den nahen Wald oder ins Tal und bei gutem Blick bis zur Burg Hohenzollern. Über die versetzt angeordneten Kuben bleibt zum einen die Privatsphäre in den „Wohnzimmern“ gewahrt, zum anderen entsteht ein geschützter Freisitz gleich einer Loggia. Zieht man die raumhohen Vorhänge zu, entsteht ein privater Außenraum. Auch die Hotelflure profitieren vom Gebäudeversatz: Effektvoll beleuchtet bieten sie sowohl eine abwechslungsreiche Optik als auch private Zugänge zu den Zimmern.

Potenziale der Region gebündelt

Rund 80 Prozent der Lieferanten und Handwerksbetriebe, die am und im Gebäude gearbeitet haben, kommen aus der Gegend. Konsequente Regionalität ist Hotelier Schillinger ein Anliegen, um seine Heimat und damit die Tradition zu stärken. Dazu gehört der Metzger im Ort ebenso wie der Hotel- und Objekteinrichter zieflekoch aus dem nahen Cresbach, der beispielsweise die Schrankwände in den Gästezimmern geplant und umgesetzt hat. Auch der Möbelhersteller Rolf Benz aus Nagold, der schon seit 1964 im Schwarzwald Möbel für die ganze Welt produziert, gehört dazu. Hier hat man eine klare Win-Win-Situation geschaffen: Lobby, Restaurant und Gästezimmer wurden mit Möbeln von Rolf Benz ausgestattet. Das Hotel dient als Referenzobjekt, wird in Veranstaltungen für Architekten, Innenarchitekten, Hoteliers usw. einbezogen und beherbergt die internationalen Gäste des Möbelherstellers. 

Werte schaffen mit ganzheitlich entwickelter Architektur

Die bis ins kleinste Detail geplante Architektur basiert zum einen auf der über 30-jährigen Erfahrung des Familienunternehmens. Die Bauherrschaft führt seit vielen Jahren erfolgreich das Hotel Lauterbad und die Berghütte Lauterbad. Zum anderen auf der fundierten Planungserfahrung der archis Architekten + Ingenieure GmbH mit Hotelbauten unterschiedlichster Anforderungen: von Themenhotels im Europapark über Hotels für Ketten bis hin zu familiengeführten Häusern wie das Fritz Lauterbad. Die Architektur ist dabei wesentlicher Bestandteil der Unternehmensentwicklung und Wirksamkeit im Markt. Agieren statt reagieren ist das zentrale Thema: Sowohl mit der Bauherrschaft als auch intern beim monatlichen Führungskräftemeeting von archis werden Trends diskutiert, Abläufe permanent optimiert und damit die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Planung gesichert. Über den interdisziplinären Austausch von Ideen auf verschiedenen Ebenen entstehen ganzheitlich entwickelte Lösungen wie das Fritz Lauterbad, die auf lange Sicht bestehen.

Text: Annette Galinski; Fotos: Nikolay Kasakov

Was von Herzen kommt…

„Wir sagen, es ist made im Schwarzwald, aber eigentlich kommt es von Herzen.“ An dem, was so dekorativ in Großbuchstaben neben unzähligen, zu einem Herz angeordneten Zangen an der Wand des Showrooms steht, darf man die Menschen hier beim Wort nehmen. Kommt es von Herzen, ist es ehrlich und zeitlos. Das war es, was den jungen Polsterer Rolf Benz 1964 antrieb, die begrenzenden Vorstellungen einer Sofa-Sessel-Kombination hin zu einem neuen Raumgefühl zu öffnen. Mit sicherem Gespür für den Zeitgeist und modernes Wohnen schuf er mit ROLF BENZ ein Unternehmen, das die deutsche Designkultur seit mehr als 50 Jahren maßgeblich mitentwickelt, das international agiert und seine Möbelstücke dennoch komplett in unmittelbarer Nähe des Firmensitzes in Nagold produziert. Die Gestelle kommen aus eigener Herstellung in Pfalzgrafenweiler. Lagerung, Zuschnitt, Näherei, Vorpolsterei und Polsterei sind in Mötzingen angesiedelt. Das Holz stammt aus heimischen Wäldern, viele erfahrene Hände führen die unterschiedlichen Arbeitsschritte aus. Handwerk  und High-Tech made im Schwarzwald. Hier lebt man die Wurzeln und Werte, liebt das Handwerk und den kreativen Prozess, die Möbelstücke zu entwickeln.

Made im Schwarzwald

„Made im Schwarzwald“ ist ein klares Qualitätsmerkmal für die Unternehmen, die das Hotel Fritz Lauterbad geplant und umgesetzt haben. Und natürlich für den Hotelier Steffen Schillinger. Die Idee einen Partner zu haben, der den von archis Architekten + Ingenieure geplanten Neubau und die Lobby mit hochwertigen und stilvollen Möbeln ausstattet, hatte Schillinger schon recht früh. Mit dem Team von ROLF BENZ Contract um Brian Therkelsen fühlte er sich sowohl über die Heimat als auch den Anspruch an Qualität verbunden. Das Contract-Team begleitet Architekten und Hoteliers persönlich – und mit Herz – in der Planungsphase. Entwickelt und umgesetzt wurden auf diesem Weg Projekte wie das Motel one Köln von motel one Group München, die Allianz Arena München von CBA Architekten München, das Tierkrematorium dank & treu in Schwäbisch Hall von NEO Atelier und das Rothaus im Gerber Stuttgart von blocher partners. Hier konzipierten die Innenarchitekten gemeinsam mit ROLF BENZ Contract ein Restaurant, das typische Gestaltungsmerkmale des Schwarzwaldes und der Brauereikultur modern interpretiert.

Spannend war zu Beginn der Planung die Frage, wie sich das Hotelkonzept „Urban Soul meets Black Forest“ im Fritz Lauterbad am besten gestalterisch umsetzen lässt. Als Schillinger Bilder des ROLF BENZ Standes auf der Möbelmesse in Mailand sah, war ihm klar: Das ist es! Und schon war die Basis für die Möbel-, Material- und Farbauswahl gelegt. Um den passenden Mix aus Tradition und Urbanität zu erzeugen, kamen sowohl luxuriöse Möbelstücke der Marke „Rolf Benz“ als auch solche der unkonventionellen, kreativen Marke „freistil Rolf Benz“ ins Möblierungskonzept. In der Lobby sind die Sitz- und Lounge-Möbel wie Wohninseln angeordnet. Wände, Stoff- und Lederbezüge nehmen die Farben der Landschaft auf: Erd- und Naturtöne zeigen sich von Grün bis Kupfer und Schlamm. In den Zimmern und Studios finden sich verschiedene Sessel, das über Eck verlaufende Sofa freistil 175 und Couchtische, die mit ihrem Ledergriff an Melkschemel erinnern und flexibel dorthin versetzt werden, wo sie gerade gebraucht werden. Der Stuhl Rolf Benz 650 kommt gleich an mehreren Stellen und in unterschiedlichen Ausführungen zum Einsatz: als Schreibtischstuhl in den Gästezimmern, an der Bistro-Bar, im Restaurant und in stapelbarer Form im Tagungsraum.

In Kooperation mit ROLF BENZ und freistil ROLF BENZ entstand mit dem Fritz Lauterbad ein unverwechselbarer, authentischer Ort, der über Formen, Farben, Materialien und Bearbeitungstechniken typisch städtische und Schwarzwälder Elemente zu einer individuellen und innovativen Hotelarchitektur in ländlicher Umgebung verschmelzt. Das Hotel Fritz Lauterbad wurde mit dem German Design Award Winner 2020 ausgezeichnet.

Text: Annette Galinski; Fotos: Nikolay Kasakov; Rolf Benz

Rolf Benz und freistil Rolf Benz
Haiterbacher Straße 104
72202 Nagold
www.rolf-benz.com